Fastenzeit

 

Jesus spricht: geh in deine Kammer, wenn du betest, schließ die Tür zu hinter dir, dass man dich nicht sehen kann...

 

(Mt 6, 1–6.16–18)

und Jesus spricht...

Jesus spricht: posaune nicht, wenn du andere unterstützt,

Jesus spricht: stell deine guten Taten nicht zur Schau,

Jesus spricht: protze nicht, wenn du fastest…

 

Jesus spricht…. Eben… was spricht er?

Zusammenfassend…? Sehr konkret, sehr genau: 

 

sei kein Lügner! Keine Verlogenheit den anderen gegenüber, aber auch - und das ganz besonders - vor dir selbst!

 

Jesus spricht: Du aber, geh in deine Kammer, schließ die Tür hinter dir, sei alleine, sodass dich niemand sieht, wenn und wie du betest… salbe dein Haupt und wasche dein Gesicht… dann bete zu deinem Gott, der im Verborgenen ist! 

Deswegen die Fastenzeit. Vierzig Tage. Italienisch Quaranta - vierzig. Vierzig Tage Quarantäne. Rückzug, Abgeschiedenheit. Mit sich selbst sein. Und nur mit sich selbst. Nach vierzig Tagen kannst du dir sicher sein, dass du niemanden mehr infizieren kannst. Es geht nicht um eine hochansteckende Influenza. Nein…. Nach vierzig Tagen kannst du sicher sein, dass du niemanden mehr mit Eitelkeit, Verlogenheit, deinem Ego anstecken kannst. 

 

Fasten sind wie Selbst-Therapie, eine Selbsthilfegruppe: du bist da mit dir selbst und Gott ist da; mit dir, in deiner Nähe. Ob du ihn hören oder wahrnehmen kannst oder nicht. Das spielt keine Rolle. Fasten bedeutet Zeit, die du für dich selbst nehmen kannst, für die Reflexion, Selbsterkenntnis… nicht um sich zu be- oder verurteilen, sondern sich selbst in den Spiegel zu schauen. Es ist eine Zeit, das eigene Leben wie einen Film von Anfang bis zum aktuellen Augenblick anzuschauen; Innezuhalten bei guten Momenten oder Situationen, sich zu bedanken bei sich selbst, bei anderen, bei Gott. Aber auch die schlechten Augenblicke kurz festzuhalten - versuchen sie zu verstehen, zu verzeihen sich selbst und den anderen, sich zu bedanken für die Erfahrung, wenn es schon möglich ist. 

 

Eine Reflexion ist kein blindes Schulterklopfen, aber auch keine Schuldzuweisung und ein Leben mit ewigen schlechten Gewissen. Eine Reflexion ist wie ein Film schauen durch die Augen Gottes. Mit Verständnis, Geduld und Liebe.

 

Denn nur dann, wenn du dich selbst verstehen kannst, deine Verhaltensweisen, Aktionen und Reaktionen, deine Denkweisen, deine Eigenart und dein Sein, wirst du in der Lage sein einen anderen Menschen zu verstehen. 

 

Nur dann, wenn du dich selbst und die anderen lernst zu verstehen, wirst du in der Lage sein zu verzeihen. Dir selbst und dann auch dem anderen.

 

Und nur dann, wenn du verstehst und verzeihst, wirst du in der Lage sein geduldig mit deinen Eigenarten und Besonderheiten umzugehen, und dann auch mit denen des Anderen. 

Und schließlich nur dann, wenn Verständnis, Verzeihung und Geduld dein Innerstes erreicht, nur dann wirst du in der Lage sein, die Liebe zu fühlen. Dann wird sie aus deinem Herzen fliessen können, wie sie auch aus dem göttlichen Herzen fliessen kann - die bedingungslose Liebe. 

 

Und dann wird Jesus nicht mehr zum Tausendsten Mal auf dem Kreuz hängen müssen. 

 

Die Fastenzeit ist eine Zeit der Reinigung… im Inneren, nicht im Außen. 

Es ist ein bisschen so, als hänge man sich selbst auf einem Kreuz, sich selbst stelle vor eigenem Gewissen, um nach vierzig Tagen aufzuerstehen. 

 

Es ist ein Prozess… im wahrsten Sinne des Wortes.

Es ist das Sein mit sich selbst. 

 

Keine Performance.

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